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Amazon Kindle kommt nach Europa

Montag, 13. Oktober 2008

In der heutigen Ausgabe der Sonntagszeitung wurde der Amazon Kindle im Multimediateil anlässlich der nächste Woche in Frankfurt stattfindenden Buchmesse besprochen.
Auch das Schweizer Fernsehen hat letzte Woche in der Sendung Kulturplatz einen Beitrag über das Gerät gebracht.
Noch ist das digitale Lesegerät hierzulande nicht verfügbar, doch bereits jetzt polarisiert der E-Book Reader.

Wenn ich die Kommentare im besagten Artikel durchlese, kommt mir die Situation etwa so vor, wie ca. 1998, als der Boom um Musik im MP3 Format so richtig losging, und die Plattenfirmen das ganze zuerst mal ignoriert haben. Als dann realisiert wurde, was das ganze auf sich hat, hat man die Technologie nur als Bedrohung wahrgenommen, und es wurde zuerst mal in alle Richtungen geklagt. Natürlich zieht der Vergleich nicht so ganz, schliesslich vertreibt Amazon keine illegalen Inhalte. Dass die Verlage und sogar auch Autoren die Technologie als Bedrohung und nicht als Chance für einen weiteren Vertriebskanal wahrnehmen, läuft jedoch genau nach dem selben Muster ab. Vielleicht muss ja zuerst wieder Apple ein solches Gerät auf den Markt bringen.

Als technikinteressierter Mensch und Vielleser verfolge ich die Entwicklung dieser Geräte seit vielen Monaten. Ausserdem bin ich seit etwa 6 Monaten stolzer Besitzer eines Sony Readers (PRS-505), den mir ein Freund aus den Staaten mitgebracht hat. Im Gegensatz zum Kindle kann man beim Sony Reader und auch beim Konkurrenzprodukt, dem Iliad von iRex, einer Phillips Tochter, auch ganz einfach eigene (PDF) Dokumente auf die Geräte kopieren. Beim Kindle geht dies zwar grundsätzlich auch, jedoch muss das entsprechendes Dokument dazu immer kostenpflichtig via Amazons Whispernet aufs Gerät geladen werden.

Obwohl der Reader für mich genau das richtige Gerät ist, werden es aus meiner Sicht die Geräte dieser Generation leider noch nicht schaffen, einen wirklichen Markt zu schaffen.

  • Sie sind zu teuer. Der Kindle kostet in den Staaten 360 US$, hier wird er wahrscheinlich noch teurer. Der alte Sony PRS-505 war in den USA etwas billiger, der neue PRS-700BC kostet 400US$. Der Iliad kostet noch mehr, nämlich ca. 500 €.
  • Sie sind zu langsam. Das Blättern einer Seite dauert einfach noch zu lange. Dies ist auch beim Sony Reader so.
  • Die Displays sind monochrom. Das stört beim Lesen eines Krimis oder Fachbuchs nicht weiter, beim Blättern in einer digitalen Zeitschrift jedoch schon.

Die Vorteile sollen aber auch erwähnt werden:

  • Die E-Paper Displays sind mit nichts zu vergleichen, was man bis jetzt am Bildschirm gelesen hat. Das Lesegefühl kommt Papier schon recht nahe. Auch stundenlanges Lesen ermüdet die Augen nicht mehr, als es auch beim Papier der Fall wäre.
  • Durch die neue Technologie wird extrem wenig Strom für die Darstellung resp. das Blättern der Seiten benötigt. Eine Akkuladung hält so sehr lange.
  • Durch die geringen Preise von grossen Speichermedien (SD Card, Memory Stick) kann man wirklich sehr viele Bücher für wenig Geld mit sich herumtragen.
  • Jeder Reader hat ein eigenes Dokumentenformat, kann aber auch PDFs anzeigen. Von vielen amerikanischen IT Fachverlagen kann man die Bücher mittlerweile auch als PDF kaufen. Beispiele und Vorreiter sind da APress und Manning.